(Die umfangreiche Bebilderung muss noch PC-tauglich bearbeitet werden. Sie wird demnächst in einer Bildergalerie erscheinen.) Man kann feiern und auch reisen, hat im Überfluss zu beißen; Er baut einen riesen Bunker, sie trägt selbst im Bett die Klunker. Ja - so schläft man ohne Sorgen ruhig und friedlich bis zum Morgen. Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe! Denn ein Mensch, der so gelebt - erkennt mitunter viel zu spät - dass da irgendetwas fehlt ... Doch im Kopf wohl nicht ganz helle, sucht er an der falschen Stelle. Und - was findet er sodann? Eine respektlose Jugend! Da schau an! VOR DEM ERSTEN STREICH Witwe Bolte Manch einer gibt sich wirklich Müh`, wettert morgens schon ganz früh, auf Kinder , die nicht g`rade leise, den Tag beginnen auf ihre Weise. Seht, da steht die Witwe Bolte, die jeden Tag auf`s Neue grollte, nachdem ihr Mann vondannen ging und sie allein zu Hause hing. Max und Moritz lärmen munter - Straße rauf und Straße runter; merken gar nicht, dass sie stören. Bis sie das Gezeter hören: "Ruhe jetzt - ihr frechen Bengel!" "Füße weg vom Pflanzenstengel!" "Finger fort vom Apfelbaum!" "Ja - soll ich euch den Hintern hau`n?" Max und Moritz sind noch klein, dennoch ziemlich oft allein. Der Vater ist recht früh verduftet, und die arme Mutter schuftet um die Kinder zu versorgen. Alles tut sie - nur nicht borgen! Noch immer kreischt die Witwe rum. Max und Moritz finden`s dumm. Kleinlaut schleichen sie von dannen - die Schule hat eh angefangen. Nach sechs Stunden dann: welch Segen - endlich darf man sich bewegen. Mund und Beine wollen toben ... "Ach Herrje! Max, schau nach oben! Denk daran - sie hat`s verboten!" Langsam wird`s den Buben bunt. Mal ehrlich - ist die Frau gesund? Jeder Schritt wird registriert; Fehlverhalten gleich notiert. Wenn Muttern spät nach Hause kommt, wird ihr alles aufgebrummt: "Der Ball flog heut` in meinen Garten!" "Das >Guten Tag< ließ auf sich warten!" "Ach - dann hat der böse Junge rausgestreckt mir seine Zunge!" "So darf man sich nicht benehmen - Sie als Mutter sollten sich schämen!" Mama nickt wie immer stumm. Gott sei Dank - der Tag ist um! Gesund und munter sind die Rangen; Mehr kann und will sie nicht verlangen! Und so schließt in aller Ruh` , sie hinter sich die Türe zu. Wäsche waschen und auch bügeln; Die wilden Buben etwas zügeln; Hausaufgaben kontrollieren; Zum Abend ein paar Brote schmieren ... Bei der Witwe in Gedanken - Trotz und Schuldgefühle wanken ... Max und Moritz grübeln nun: "Irgendetwas muss man tun! Denn die Witwe stört entschieden täglich den Familienfrieden!" SO KAM ES ZUM ERSTEN STREICH UND DER ZWEITE FOLGTE GLEICH VOR DEM ZWEITEN STREICH Witwe Boltes Lebenszweck: Von Heut` auf Morgen - einfach weg! Nein - diese Tat verdient kein Lob! Die Buben waren wirklich grob. Doch der Charakter von Frau Bolte - war auch nicht so, wie `s seien sollte! Wo Kinder sind, die Hunger schieben, sind Menschen, die nur ihre Hühner lieben - kurz gesagt, mit einem Satz - auf Erden nicht am richtigen Platz! Will nun die Witwe tatsächlich in Ehren, vier gebratene Hühner alleine verzehren? Und ob - sie will! Fühlt sich im Recht. Ist dies Gefühl nicht äußerst schlecht? Max und Moritz, die zwei Bengel - sicher sind es keine Engel; doch angeln sie hier mit ihrer Tat, nicht mehr als den Solidaritätszuschlag. VOR DEM DRITTEN STREICH Schneider Böck Ein jeder kennt den Streich - den Dritten! Doch wer hat denn hier mehr gelitten? Die Großen schrei`n: "Der arme Schneider!" Die Kleinen wissen: "Wir waren`s, leider!" Ein Urteil soll fällen, wer beide gehört; selbst wenn es den Ein oder Anderen stört! Hört ihr noch, wie die Witwe krähte? Oft schon bevor sie die Kinder erspähte! Nun denn - man bemüht sich, so gut es geht und läuft dem Ärger aus dem Weg. Leicht gesagt und schwer getan. Damit fängt neues Elend an! Dort, wo Witwe Bolte die Buben nicht hört, wohnt wieder Einer, den Spielen stört! Schneider Böck - mit Hut und Brille. Er beherrscht seine Kunst - jedoch nur bei Stille. Gerade mal so, erträgt er das Rauschen vom Bache, keinesfalls jedoch Kindergelache. Max und Moritz müssen sich fügen - denn mit Worten allein kann der Schneider nicht rügen. Er nutzt seine Hände, oft auch den Stock und kommt gerannt wie ein Ziegenbock! Nicht einmal, nicht zweimal, nein hundertmal - und das ist keine erdachte Zahl - hat er die Kinder schon erwischt und ganz ordentlich verdrischt! Heut`ist er dran! Er soll bezahlen, für blaue Flecke und andere Qualen. Was nun geschieht - wir kennen es alle: Der Kinderfeind läuft in die Falle. Wohlverdient ist das helle Lachen - als Steg und Schneider ins Wasser krachen! Nur, dass er der Kunst des Schwimmens nicht mächtig, ist zweifelsohne weniger prächtig. Letztendlich war`s ein übler Scherz, verbunden mit `nem kurzen Schmerz: denn Bügeleisen und `ne Decke, brachten das Übel schnell zur Strecke. Die Wunden von Max und Moritz hingegen, schmerzen nicht selten ein ganzes Leben! VOR DEM VIERTEN STREICH Lehrer Lämpel Also lautet ein Beschluss: Der Mensch bleibt eine dumme Nuss, wenn nicht des Lehrers weise Lehren langfristig den Verstand vermehren! Nicht allein der Urinstinkt macht `nen Menschen aus dem Kind . Nein - auch des lieben Gottes Segen reicht nicht aus, zum sorglos Leben! Die Eltern richten`s! So denkt man im Stillen; doch das geht Gelehrten gegen den Willen. Denn - einzig allein die Lehrerschaft gibt Menschenkindern Lebenskraft! Dass dies mit Nachdruck auch geschah - dafür war Lehrer Lämpel da! Wissbegierig, lieb, ganz zahm, fingen Max und Moritz an - mit Lesen, Rechnen und auch Schreiben - freie Zeit sich zu vertreiben. Bei allem Fleiß! Bald spürt ein Kind, dass Alleskönner selten sind! Und instinktiv bevorzugt dann ein jedes das, was es gut kann: Max rechnet gut und immer richtig - nur Zahlen sind ihm wirklich wichtig. Während Moritz liest und schreibt, alles And`re liegen bleibt. Anstatt vorhand`ne Begabung zu mehren, beginnt Herr Lämpel, sich zu beschweren! Verbissen und streng kämpft ein kurzsicht`ger Mann gegen vermeintliche Lernschwächen an. Stärken? Die werden lahmgelegt! Letztendlich - weil die Zeit dafür fehlt. Max und Moritz begreifen nicht: Ist es tatsächlich des Lehrers Pflicht, gegen den Verstand zu wirken? Man kratzt die Rinde ab von Birken? Verzweifelt suchen die Buben nach Lehren, die möglicherweise den Lehrer bekehren ... Er liegt ganz nah - fast auf der Hand - Max und Moritzens Verstand: Schwächen muss man stets bekämpfen - auch Lehrer Lämpels lassen sich dämpfen. Rums! Das war`s! Der vierte Streich! Der Lehrer schwarz - die Täter bleich ... VOR DEM FÜNFTEN STREICH Onkel Fritz Wer in Dorfe oder Stadt keine eig`nen Kinder hat, sollte dankbar sein und froh, wenn da Neffen irgendwo! Doch viele Onkel und auch Tanten, haben eins noch nicht verstanden: Gibt`s keine Kinder auf dieser Welt, fehlt nicht nur das Ruhegeld; Es fehlt an Allem - selbst am Ende! Wer faltet denn die rauhen Hände, die mit Tatkraft und Befehlen, zerknitterten glatte Kinderseelen? Max und Moritz haben Zweifel: Onkel Fritz holt wohl der Teufel! Respekt verlangt er und Gehorsam; doch er selbst ist unaufmerksam. Sei`s dem Max sein off`nes Knie: "Wehleidig! Das war ich nie!" Oder Moritzens Hang zum Lesen: "Ach - ein Weichei ist das Wesen!" Und zu allem Überfluss, verlangt er dann auch noch Genuss: "Kratzt mich hier und kratzt mich dort!" "Bringt mal meine Stiefel fort!" "Fußball spielen? Nicht mit mir!" "Ich ruhe jetzt - wo bleibt mein Bier?" Nein - so hat man nicht gewettet - man liegt nur so, wie man sich bettet! Der kindlich, zarte fünfte Streich ist verhältnismäßig weich. Wem bereiten denn die Brummer, klein und niedlich wirklich Kummer? Und doch - den Onkel packt das Grauen, man sieht ihn nach der Unschuld hauen ... Mit Händen, Füßen, selbst dem Schuh - cholerisch fordert er nun Ruh`. Gegönnt sei`s ihm - für jetzt und immer! Denn diesen Onkel braucht man nimmer! VOR DEM SECHSTEN STREICH Der Bäcker In der schönen Osterzeit - steht für Kinder viel bereit: Nicht nur buntgemalte Eier gibt`s zu dieser Frühlingsfeier; Nein - auch die Bäcker sind recht fit - backen Hasen aus Biskuit und and`re schöne Sachen, die Mund und Auge gierig machen. Den Buben geht es ebenso: Maxens Herz brennt lichterloh; Moritz`Nase saugt am Glas: "Hmm - lecker riecht der Osterhas`!" Hach - da wird der Bäcker munter! Rumms - lässt er das Rollo runter - denn dem dicken Zuckerbäcker geh`n die Kinder auf den Wecker. "Kaufen müsst ihr - nicht bloß gucken!" Max und Moritz müssen schlucken: "Mensch, was hat denn der für Mucken!" Und im Geiste - ganz spontan - entwickelt sich ein schlechter Plan. Der sechste Streich - er gilt dem Bäcker: "Wart`s nur ab, du Fingerlecker!" Einmal nur von Nahem sehen, wo die Süßigkeiten stehen; Einmal diesen Teig berühren! Vielleicht auch mal zum Munde führen - wie`s der Bäcker ständig tut - ach, das tät den Buben gut! Der Herzenswunsch bleibt unerfüllt. Warum - hat Wilhelm Busch enthüllt. Ziemlich locker und entspannt - den Ernst der Lage wohl verkannt! D`rum gab es einen siebten Streich - es war der Letzte dann zugleich. VOR DEM LETZTEN STREICH Bauer Mecke Max und Moritz, diese Armen, finden nirgendwo Erbarmen. War der Bäcker nicht rabiat? Wer bestraft die Missetat? Unbehelligt, froh und heiter backt der Kinderschänder weiter! An Erfahrung mächtig reich, basteln die Buben am letzten Streich: Von hinten woll`n sie dem Bäcker kommen, darum die Absicht noch leicht verschwommen. Zum Backen braucht man unbedingt, Mehl - das meist der Müller bringt. Der Müller wiederum mahlt Korn - also steht der Bauer vorn! Getreide ernten auf dem Feld - Korn verkaufen - das bringt Geld - vom Müller, dem das auch gefällt - weil ja der Bäcker Mehl bestellt. Schleppt nun der Müller keins mehr ran - jawoll - dann ist der Meister dran! Geschlossen wird die Bäckerei! Geld verdienen? Aus! Vorbei! Trippel, trappel - jetzt ganz schnell! Fehlen muss dem Bäcker Mehl! Eigens, nur zu diesem Zwecke, schlitzt man Löcher in die Säcke ... Schrei nach Vergeltung , könnte man`s nennen. Böses im Kinde? Nicht zu erkennen! Alles, was danach passiert, von Wilhelm Busch so froh skizziert - zeigt deutlich unser Rechtsempfinden: Gutes? Ei, das muss verschwinden! DER SCHLUSS ... als man dies im Dorf erfuhr, war da von Reue nicht `ne Spur? Ganz allein mit ihrem Schmerz, zeigte Witwe Bolte Herz: "Nichts mehr gibt es zu bemängeln! Ach, ich brauch doch wen zum Gängeln!" "Wer soll nun die Hosen tragen, die ich nähe schon seit Tagen?" Schneider Böck tut sehr empört, als er von dem Unglück hört. Haarlos, doch ansonsten fit, jammert auch der Lehrer mit: "Wen kann ich denn jetzt bekehren? Wer will meine Lehren hören?!" Selbst dem guten Onkel Fritze, geh`n sie aus, die dummen Witze: "Einsam - doch - ganz ohne Neffen? Aus ist `s mit Familientreffen!" Meister Bäcker kriegt `nen Schreck: "Wie denn - was - die Kinder weg? Hey, damit ist nicht zu spaßen! Wer sonst isst meine Osterhasen?" Angegriffen fühlt sich Mecke: "Mich bringt niemand hier zur Strecke! Geht! Es war ein Schabernack: Huckepack im großen Sack!" Zu guter Letzt klagt Meister Müller, denn er war der Mühlenfüller: "Leute, hätt` ich nur geahnt, welches Unglück sich anbahnt! Nee - ich bin so voll mit Zorn - dachte doch, im Sack sei Korn!" Und so leben die Experten, unbescholten hier auf Erden. Doch ob diese Guten, Frommen jemals in den Himmel kommen? Max und Moritz schauen munter jedenfalls von dort hinunter. . .
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