27/28. November PlubberPlubber.... ich WILL zurück - auch wenn`s noch weh tut! Hab mir in den letzten Wochen gewünscht, den linken Arm zu verlieren. Einfach aushängen, abschnallen! Es gab nicht eine schmerzfreie Bewegung, nicht eine schmerzfreie Lagerung... Was meiner Seele gut tut kann meinem Körper nicht schaden!? Nee, von dieser Binsenweisheit hab ich mich nun auch getrennt! Der Tagesausflug zur Frankfurter Buchmesse war mein Wunsch. Herbeigesehnt, von Vater abgesegnet, in Begleitung meiner Toch- ter und ihren Freunden, „stressfrei“ durch ein Hessenticket der Deutschen Bahn. Erstens kommt es anders und Zweitens ..... Wer das Hessenticket noch nicht kennt: am Wochenende kom- men 5 Personen für 30 Euro (in diesem Fall) bis Frankfurt und wieder zurück. Da diese Karten sogar am Automaten zu bekom- men sind, hat die Bahn wohl keinen Überblick über die Verkäufe. Obwohl ich letztendlich allein (5er-Ticket) fuhr, war es unmöglich sich zu bewegen, geschweige denn, tief durchzuatmen. Ich dachte immer, Züge hätten - wie Autos - eine Höchstbelastungsgrenze?! Wenn ja, wurde sie in diesem Fall sicher außer Acht gelassen, denn die Menschen haben wirklich übereinander gesessen und aufeinan- der gestanden! Dass Einzige, was dieses „Angebot“ rechtfertigt ist, man kann während der Fahrt nicht umfallen. Wie in Trance marschierte ich zwischen Hunderten von Manga-An- hängern Richtung Messegelände und frag mich noch heute, warum ich nicht umgehend umgekehrt bin?! Ich war nicht in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Ließ mich von dieser Menge schieben und schupsen, nur noch die Abfahrtszeit meines ausgewähl- Zuges im Sinn. Am kommenden Wochenende sind 6 Wochen seitdem vergangen. Sechs Wochen, in denen man mich in eine Pflegestufe hätte ein- ordnen können. Täglich die Überlegung: Arzt - ja oder nein? Mal hab ich mich geschämt (konnte nicht duschen), mal war ich zu mü- de, mal hatte ich das Gefühl, eine Besserung zu spüren. Vor einer Woche haben meine Finger die erste Mail schreiben können; ges- tern hat der Arm den Zahnbecher in`s Alibertfach verfrachtet. MS - man denkt in erster Linie an die Beine; hört, sieht und liest vom Nicht-Laufen-Können, vom Rollstuhl. Gelaufen bin ich wie ein Wiesel, jeden Tag. Jeder Schritt verursachte tierische Schmer- zen - vom Hals bis in die Fingerspitzen. Meine Theorie, dass Kon- zentration vom Schmerz ablenkt, kann ich bestärken. Hab jeden Schritt gezählt, vom Verlassen des Hauses bis zur Heimkehr, je- den Tag auf`s Neue - 3422 - mal ein Paar mehr/mal ein Paar weni- ger. Ich danke meinem Hund - wäre ich ohne ihn auch gelaufen? Ich weiß es nicht! Aber ich weiß seit heute, dass ich weiterhin schreiben und malen werde ;-)) 3/4. Oktober Habe tatsächlich ein Zitat gefunden, dass meinen Verdacht bestä- tigt. Arthur Schopenhauer sagte: "Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen denken. Nun ist aber dem eigenen Denken, aus welchem allemal ein zusammenhängendes Ganzes, ein, wenn auch nicht streng abgeschlossenes System sich zu entwickeln trach- tet, nichts nachteiliger als ein vermöge beständigen Lesens zu star- ker Zustrom von Gedanken." Okay, ich musste selbst auch 3 Mal drüber lesen, um den Satz dieses Philosophen richtig zu entschlüsseln.... „Wenn“ ich ihn richtig verstehe.... steht da grün auf weiß: Wer viel liest, wird keine eigenen Gedanken entwickeln können?! So langsam beginne ich Vieles, was mir „beigebracht“ wurde, in Fra- ge zu stellen. Immerzu hieß es: Du musst lesen, Lesen bildet! Haben unsere Eltern/Lehrer schon dafür gesorgt, dass „eigene“ Ge- danken verkümmern? Solang ich mit Lesen beschäftigt war, konnte ich „kein dummes Zeug“ reden. Schon seltener, aber hin und wieder hör ich noch heute von meinem Vater: „DAS solltest du nicht laut sa- gen, erst recht nicht in Gegenwart der Kinder!“ In meinem Inneren sind tatsächlich 2 Seelen. Die „freie“ kämpft tagtäglich gegen die „anerzogene“. Ich weiß nicht, wer den Sieg davon trägt. Der Gehorsam wünscht: „Drück auf den Knopf und lösch die ganze HP!“ Meine Gedanken betteln: „Mach weiter bring es zum Ende!“ Meine Arme sagen: „Wir sind müde, du überforderst, lass uns in Frieden ruh`n!“ und mein Herz fragt: „Wofür das Alles?“ Heut ist die 12 von 14 Nächten - ich hab das Gefühl, diesmal schaff ich es nicht :-(( 29/30. September Ich sollte wohl nicht so viel lesen - weder lesen, noch .... spielen!!! Bei diesen „Ablenkungsmanövern“ bleibt Eigenes total auf der Strecke. Wie ist das nun zu verstehen? Ist es gut, sich von eigenen Gedanken abzulenken oder ist es „mal wieder“ Verdrängung? Barbara Zaruba hat mich sehr nachdenklich gemacht. Das eigene Ich zum Vorschein kommen lassen .... was/wer bin ich, was will ich , will ich überhaupt irgendwas? Ist es bei uns Frauen vielleicht wirklich so, dass wir in ein Loch fallen, wenn die Kinder flügge werden? Wenn wir unserer Hauptaufgabe enthoben werden? Mit welcher Begeisterung nehme ich das Spieleangebot im Net wahr! Nicht um Gewinne zu erzielen, sondern aus Spaß, Worte und Zahlen zu finden. Ist das der Ersatz für bisherige Erziehungs-Hausaufgabenhilfe? Täglich schimpfe ich mit mir: „Tu endlich was, tu Sinnvolles, Brauchbares!“ Ich weiß nicht, ob es an der MS, oder einfach nur am Alter liegt ... plötzlich ist nix mehr sinnvoll, schon gar nicht Brauchbar. Spätestens, wenn du nicht mehr weißt, wo du mit bemalten Eiern, Memorys, Geschrieben- und Gemaltem „hin“ sollst, fragst du dich nach dem Sinn .... Noch einmal auf Verlagssuche? Noch einmal Horrorsummen ausgeben ... für Gedanken, die niemand teilt? Für Gedanken, die man offen- sichtlich weder schreiben, noch aussprechen darf? In diesem Zu- sammenhang möchte ich Frau Pauli ein dickes Lob für ihren Mut aussprechen. Der Vorschlag mit der Ehe auf Probe ... Wir schimpfen täglich über Dinge, die uns gegen den Strich gehen (und bei Schei-dungen kommt Einiges zusammen ...), aber wenn „frischer Wind“ weht, werden die Fenster zugeknallt. Nicht mal ein Luftzug wird durchgelassen. Spätestens, wenn wir im eigenen Mief zu ersticken drohen, wird man sich auf die Suche nach einem Schuldigen bege-ben. Was wäre denn glaubwürdiger: ... wir wollen versuchen, unser Leben gemeinsam.. oder ... in guten und in .... bis dass der Tod uns scheide!? Die Probleme mit rechtem Bein und linkem Arm sind geblieben. Wie immer passe ich mich meinem Körper an. Mit Bedacht in die Hocke, ein Regenschirm ist zu schwer und die Hundeleine werde ich demnächst verlängern und um den Bauch wickeln?! Immerhin mein Gehirn hat den Schmerz akzeptiert und lässt mich ohne Hilfsmittel schlafen. Übrigens, wer mich hier nicht antrifft... Ich spiele immer und immer wieder WORD LINK und SUDOKO - wenigstens mein Gehirn muss funktionstüchtig bleiben! 15. September Ich kann nicht! Nicht schreiben, nicht zeichnen, nicht denken! Habe Barbara Zaruba gelesen, "Wie ich meine Hoffnung wiederfand". Der erste Teil des Buches - ihre MS - eine Geschichte, wie sie ein Je-der von uns mehr oder weniger kennt; aber der zweite Teil hat es in sich! Ob mit oder ohne MS, ob Mann oder Frau, wer diese Theorie nicht liest....... ist selbst dran schuld! 22/23.August Ich sollte mich schämen - und tue es auch! Aber.... ich habe geschrie- ben, was ich in dem Moment verspürte. Wenn ich meine Kinder da- mit verletzt haben sollte, ist hier die offizielle Entschuldigung. Ich war und bin noch immer, sehr gern Mutter. Dass machmal alles zuviel wird, werdet ihr am Besten wissen. Was tut ihr dann? Euch zurück- ziehen, "ausklinken", euch im Freundeskreis Rat holen, abreagieren - und letztendlich wissen, "Muttern leidet unter einer vorrübergehen- den Phase". Ich möchte und werde hier keine Einzelheiten preisge- ben. Lediglich, dass ich den Samstag wirklich im Bett verbracht habe. Ja - ich habe an MICH gedacht und darunter gelitten wie ein Tier. Eine Busfahrt, ein Bühnenauftritt meiner Tochter - schweren Herzens hab ich darauf verzichtet, nach einer Arbeitswoche 40 Stunden am Stück auf Trapp zu sein. Trauer, Unverständnis und Wortlosigkeit, auf bei-den Seiten, waren die Folge. Zwei Tage später, nachdem sich die Worte wieder gefunden hatten, wurde uns klar: Wir können tun und lassen, was wir wollen - es wird immer das Falsche sein. Ich blieb zu Hause, um mich zu schonen - vielleicht, aber nur vielleicht wäre es mir besser gegangen, wenn ich gefahren wäre..... Es fällt mir ziemlich schwer, dieses Tabuthema hier anzusprechen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass meine Herzprobleme u.a. mit der Verdauung zusammenhängen. Ich erzählte schon, dass ich (für meine Verhältnisse) in den letzten Wochen ordentlich an Ge- wicht zugelegt habe. In dieser Zeit habe ich meine eigenen Rekor- de (einmal wöchentlich) weit übertroffen. Nun wird manch Einer (vor allem die Mediziner) die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber für mich ist das von Kindesbeinen an normal. Meine Mutter er- zählte, dass sie meine Windeln hätte ausstauben können..... Proble- me (Bauchschmerz etc.) hat diese Tatsache niemals verursacht. We- der Rektoskopie noch Coloskopie waren auffällig und erzählt hab ich nie davon. Wusste ich doch, dass es (mal wieder) nicht der Norm entsprach. Schon immer fehlte bei mir der Drang, eine Toilette auf- zusuchen und wenn, wurde äußerste Konzentration abverlangt, die ich aus Zeit- oder Keine-Lust-Gründen selten aufbringen konnte/ wollte. Mulmig wurde mir in den letzten Wochen: seltener als 14-tä- gig und eine konstante Gewichtszunahme - dabei eine nicht bekannte Ruhe/Ausgeglichenheit und KEIN Herzrasen!!! Ich dachte schon, ES nach 30 Jahren "abgelegt" zu haben. Am Wochenende ließ mich meine aufgekratzte Seele zu einem, für mich eher ungewöhnlichem Nahrungsmittel greifen: Nutella auf`s Frühstücksbrot..... 2 Tage "Drang", 4 kg leichter und gestern, wie immer beim Hundespaziergang (im strömenden Regen!!!) - nach 6 Wochen "Sommerpause"..... HERZRASEN ES gehört zu mir - wie mein Name an der Tür :-(( (Woher ich meinen Namen hab, weiß ich. Warum ich Probleme mit meinen Muskeln habe, werd ich herausbekommen - wahrscheinlich eher ohne eure Hilfe - denn ihr sucht schon zu lange, ohne den wirklichen Auslöser zu finden!) 17/18. August Ich war HIER! Habe geschrieben, viel geschrieben und plötzlich war alles weg!!! Ein blauer, leerer Bildschirm ist geblieben. Entweder hab ich den korrekten Umgang mit dieser Seite vergessen, oder aber, der Text sollte nicht ankommen. Hab mir angewöhnt, aus jedem Mißge- schick etwas Vorteilhaftes herauszufischen, deshalb werde ich nix wiederholen.... bis auf die letzte Frage, die ich mir stellte: Ist es unverschämt, irgendwann einmal den Wunsch zu äußern, we- der (Ex)Ehefrau, noch Tochter, noch Mutter - sondern allein nur noch für sich selbst verantwortlich zu sein? Heut ist meine letzte Nacht (Dienst), vor einem Tag, den ich besser im Bett verbringen sollte..... 2. August Irgendetwas geschieht - mit meinem Körper und mit meinem Geist. Ich habe die "Mitteilungslust" verloren. Was mir am Meisten auf dem Herzen lag, hab ich erzählt und bin zu dem Entschluss gekommen: Es gibt weitaus Schlimmeres. Zum ersten Mal seit 30 Jahren (Schwanger- schaften ausgenommen) zeigt die Waage ein annehmbares Gewicht. Anfangs mit Besorgnis beobachtet, scheint sich die Zunahme von 46 auf 55 kg einzupendeln.Ich verspüre den Wunsch, die Haare wie- der wachsen zu lassen und hab mir tatsächlich gestern Blumen ge- kauft! Vorige Woche hab ich für 2 Tage das Haus verlassen, ohne bei der Rückkehr "eine böse Überraschung" vorzufinden. Papa hat mir den Besuch bei meinem Sohn tatsächlich gegönnt - es ist eigent-lich zu schön um wahr zu sein. Übrigens... nein, ich war nicht mehr beim Doc. Die letzte Erfahrung war - glaube ich - die heilsamste! 28. Juni STOLZ - Unsere Tochter, deren Patentante sie auf eine Behinderten- schule schicken wollte; deren Grundschullehrerin ihr keinen Real- schuabschluß zutraute..... hat ihre Ausbildung zur Sozialassistentin und zeitgleich das Fachabitur bestanden. (Alles Andere ist zur Zeit Nebensache :-)) 23/24. Juni Egal, ob auf der Kellertreppe, einem Regenbogen oder den Kaskaden des Herkules - der Abstieg/Absturz verläuft schneller als das Empor- klimmen.... Manchmal denk ich, dass ausgerechnet Ärger, viel Ärger (zumindest bei mir) ein Wiederhochkommen beschleunigt. Rache würde ich`s nicht nennen - aber dieses "das darf nicht wahr sein", das "lass ich mir nicht gefallen" oder "wo kommen wir denn hin, wenn "die" damit durchkommen", lässt mich immer wieder auf`s Neue An- lauf nehmen! Selbst wenn die Verletzungen verheerend sind - ich bin den Verur- sachern dankbar. Sie mobilisieren meine Kräfte und geben mir neuen Stoff für Geschichten..... (hab Dank Kollegin :-)) 19/20. Juni Das Tippen fällt schwer - saumäßig! Aber es lenkt ab. Gestern ging gar nix. Novalgin? Keine Wirkung mehr - der Verband hat sich gelöst und langsam verschwindet der Salbengeschmack von meiner Zunge. Nein - ich hab sie nit gegessen. Aber was ich rieche, schmecke ich gleichzeitig. Darum benutze ich nie Parfüms, Deos, etc. und vertraue meiner Nase bei der Nahrungsaufnahme. Eigentlich ein normaler, an- geborener Instinkt! Ich könnte verzweifeln, wenn Kinder ihre Teller leer essen müssen; wenn Mütter sagen: Was auf dem Teller liegt wird gegessen; wenn Opas sagen: Ihr müsstet noch mal hungern, so wie wir es getan haben! "Liebendgern", möchte ich antworten. Wir wären gesünder, wenn die Ernährungswissenschaft uns nicht vorschreiben würde, was gesund und was ungesund ist; wenn sie nicht irreführen würde mit All-round- Empfehlungen und..... wenn es weniger Essbares gäbe! Wollte gestern (nach schlaflosem Tag) zu anderem Doc. Steh vor of- fener Tür: Wegen Renovierung geschlossen. War das ein Omen?? Soll es nicht sein?? Hab mir fest vorgenommen: Gleich Montag - wenn Nachtdienst vorbei... es sei denn, mein Arm tut wieder das, was ich will und ich WILL das !!! Kleiner Joke am Rande: Gib bei "youtube" LEBENSPROGNOSE ein. Wenigstens über meine Fehler kann ich noch lachen: 50 Jahre und kein kleines bisschen weise.... 17/18. Juni Ja, ja - ich weiß - meine große Klappe: schaffe alles mit der Ernährung! Glaube auch immer noch daran! Aber die Umstellung dauert ein paar Tage und wenn der Schmerz so akut ist und man arbeiten gehen WILL... Immerhin - 6 Jahre ging alles gut! Ich frag mich natürlich, ob das "Zoloft" mein Gleichgewicht gehalten hat?! Nur ungern würde ich akzeptieren, mit meinem Haushalt überfordert zu sein - es gibt ja noch weitere Zimmer mit Heizung. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten! War es Überforderung? Lag es an den frischen Erdbeeren mit Sahne (nur einmal im Jahr!)? Das Erd-beerfeld liegt direkt vor meiner Haustür und täglich beobachte ich die pflückenden Menschen. Ich weiß, dass die Erbeersäure (oder was auch immer) mir nicht bekommt. Bekomme Ausschlag, wenn ich die Beeren solo esse, aber mit Schlagsahne bleibt er fort. Mit meiner Vermutung, die Sahne hebt die Säure auf, könnte ich richtig liegen - wenn nicht gerade jetzt mein Körper diese enormen Übersäuerungs- symptome aufweisen würde. Vielleicht ist auch nur wieder Stress der Auslöser.... Stress mit der Internetseite: lebenscheck.com Ja, ja, ja - wie kann man nur! Es machte mich neugierig, wie hoch meine Lebenserwartung eingeschätzt wird - immerhin 81 Jahre!!! (Hilfe - ich will das nicht) Ich habe meiner Tochter widersprochen, als sie sagte: Lass die Finger davon, das kostet Geld!!! (nicht immer - aber immer öfter - sollte man auf die Jugend hören!) Auf die zahl-reichen Blogs bin ich leider zu spät gestoßen - bin den Betrügern auf den Leim gegangen und habe nach der 2. Mahnung (Inkassodrohung) am 9. Mai, 99 € für ein Blatt Papier/Urkunde gezahlt. Nun sollte man meinen - das war`s! Eine teure, aber lehrreiche Erfahrung! Weit ge-fehlt - noch immer bekomme ich bedrohliche Zahlungsaufforderun- gen und keinerlei Bestätigung über den Eingang meiner Beschwerde-Mails, geschweige denn des Geldes. Ich denke, die drei wichtigsten Schub-Kriterien hab ich mal wieder erfüllt. Körperliche Überanstrengung, seelischer Stress, falsche Er- nährung...... viiiiiiel zu wenig Schlaf! Ist Einsicht wirklich der erste Weg zur Besserung? ichseheeinseheeinseheeinseheeinseheeinseheeinseheeinseheeinsehe 16/17. Juni Musste gestern, am Freitag, ziemlich kleinlaut meinen "alten" Hausarzt aufsuchen. Ich dachte, es wäre geschmacklos mit einer akuten Sache einen "neuen" Arzt zu konfrontieren. Na, hätt ich nur!!! Nachdem es Mittwoch so gut ging, hab ich zu Hause richtig losge- legt. Wer hat sich nur so beschi..... Heizkörperkonstruktionen einfallen lassen?! Mit Links die Heizkörperbürste in jede einzelne Ritze, mit Rechts die Staubsaugerdüse gleich obendrüber gehalten, um aufzu- fangen.... Donnerstag - wahnsinnige Schmerzen im linken Schulterge- lenk! Ne echt - nicht auszuhalten! Keine Bewegung war schmerzfrei! Nach einer durchgejammerten Nacht dann die fatale Entscheidung meinen "alten Freund" aufzusuchen. "Lange nicht gesehen!" (lach, und doch wieder erkannt?!) Ein Druck auf die Schulter... alles klar! "Könnte es evtl. mit der MS zusammenhängen? Hab seit Wochen Probleme mit den Beinen, Schmerzen, Spastiken....." "Nix MS - das ist arthritisch! Spritze muss sein, Montag nochmal!" Wer mir bis hierher gefolgt ist, den konnte ich vielleicht davon über- zeugen, kein Jammerlappen zu sein. Auch der Cortison-Pieks in das schmerzende Schultergelenk hat mich keinen Mucks machen lassen. Aber was danach kam, konnten selbst die verschriebenen Ibuprofen- Tabletten (schmerz- und entzündungshemmend) nicht abfangen. Es folgte die 2. schlaffreie Nacht/Tag. Augen zu und durch - schließlich hab ich heut die erste von 10 Näch- ten! Es ist jetzt 4 Uhr morgens. Seit 6 Stunden kann ich wieder aufatmen. Seit die Ambulanzschwester einen harmlosen Salbenverband und No- valgin-Tropfen verabreicht hat. Ich bin zwar unglaublich müde, aber die Gewissheit in 3 Stunden schlafen zu können, beflügelt mich :-))) 13. Juni (jetzt stimmt`s wieder) Mir geht`s gut - richtig gut. Am Bein ist wohl was zurückgeblieben, aber ich überlege schon, auf was ES sich konzentrieren könnte. Vielleicht sollte ich beginnen, mit dem Fuß zu malen - aber dann würde der Arm wieder vernachlässigt .... Irgendetwas stimmt hier nich mit dem Datum - nein, ich schreibe nicht rückwirkend!!! Habe die 2 letzten Beiträge diesen Monat ge- schrieben, im JUNI. Meine Tochter würde das jetzt auf`s Alter schieben - das wäre mir lieber als alles andere :-))) 8. Mai Ich denke, das Meiste ist be- und verarbeitet (bis auf die Sache mit meiner Mutter). Das Barometer musssssss wieder ansteigen! Mit dem Zoloft war es so eine Sache. 2001 wurde es vom Neuro verschrieben, um von Tavor runterzukommen. In der Klinik wurde mir erklärt, dass es (noch immer) keine MS-Medis gibt, die zu 100 % Erfolg versprechen. Im Gegenteil - Alles noch im Test. Ein wunder- barer Doc sagte: "Sie sind so stark! Haben seit Jahrzehnten damit gelebt, Sie schaffen das auch weiterhin!" Ich liebe diesen Arzt für seine Aussage und werde alles dafür tun, dass er Recht behält! Die inständige Bitte, meine Seele aufzuräumen, mein häusliches Umfeld zu verlassen, konnte ich bis heute nicht erfüllen. Aber den großen Schritt - dass mein Vater von diesem Tag an die Finger von mir ließ - sind wir gemeinsam gegangen. 5 Jahre dachte ich, Zoloft zu brauchen. Sobald ich es vergaß, traten starke Spastiken (Arm und Bein) auf; an Schlaf war nicht zu denken und durch die Ruhelosigkeit war der Griff zur Pille programmiert. So viel zu "macht nicht abhängig". Mittlerweile glaube ich, alles, was wir unserem Körper täglich zuführen, endet in einer Abhängigkeit. Ab jetzt - ohne mich! Die Sache mit dem Spielkasino ist auch geklärt. Muss unsere alten Philosophen berichtigen: Schweigen ist Silber - Reden ist Gold :-)) Was übrig bleibt, ist meine Mutter. Von klein auf war ich ihr "Sarg- nagel" - da war ich anwesend! Vielleicht geht es ihr besser, wenn ich abwesend bleibe?! Wenn da nur nicht diese täglichen Gedanken wären...... 5. Mai Nein - obwohl ich es in Erwägung gezogen hatte - war nich beim Doc. Mal ehrlich, wobei und womit könnte er mir helfen? Er kennt sich we- der mit Ernährung aus, noch könnte er meine Psyche stabilisieren. Medikamente? Würd ich eh keine mehr schlucken! Eigeninitiative ist gefragt. Warum geht es mir beschissen? Wie komm ich da wieder raus? Was kann ich tun, damit es bergauf geht? - wenig Dienste - kaum zu Hause raus gekommen; - Zoloft abgesetzt (Psychopharmaka, welches eigentlich keine Ab- hängigkeit hervorrufen sollte), seit 5 Jahren geschluckt - weil hilf- reich und verträglich. Ab Ende Januar langsam ausgeschlichen. Wa- rum - werde ich in einer "Geschichte" erzählen; - Ostern wollte meine Tochter ihre Oma besuchen und bekam einen gewaltigen Schreck: die Wohnung war leer - ausgezogen, in ein Altenheim. Ich selbst hatte im Nov. 2005 den Kontakt abgebrochen, nachdem sie mir offenbarte, ihr Enkel (mein Sohn) sei für sie ge- storben (es gab definitiv keinen Grund - außer, dass er keine Zeit für sie fand - 300 km entfernt - viel Arbeit); - nachdem im Januar mein geschiedener Mann unsere Tochter zum Spielcasinobesuch überreden wollte, war bis Ende April auch dieser Kontakt absolut lahmgelegt (zumindest zwischen ihm und mir - ich hatte meiner Tochter Stillschweigen versprochen). Ich könnte so weiter lamentieren - die MS würde triumpfieren! 4.Mai Alles ok - bin wieder da... nur Finger und Kopf wollen noch nicht so richtig. Hab viel gelesen und jemand gefunden (lebt leider nich mehr), der seine MS-Schübe auch mit der Ernährung in Zusammenhang brachte. Pat`s Mutter sorgt dafür, dass seine HP online bleibt: ziemszo.nl Im Übrigen versuche ich Konzentration und Fingerfertigkeit bei King.com zurückzugewinnen :-))) 22. April ....doch, doch! ich bin noch da :-)) Krieg nur im Moment rein gar nix gebacken! Mein rechtes Bein scheint innerlich zu verbrennen, wäh- rend äußerlicher Einfluss - Wärme, Kälte, pieksen, kratzen... - keiner- lei Reaktion hervorruft. Dieser wellenartige "Feuerteufel" unterbindet jegliche Erinnerung.... Ich lebe nur im JETZT und hoffe täglich, es geht vorbei! 9. April Mein Gott, ich komme ganz durcheinander: Vergangenheit, Gegen- wart, Vergangenheit ... jeden Tag andere Gedanken! Hab heut die letzte Nacht. Ab morgen ist wieder "Freizeit" angesagt! Zuhause ist alles friedlich - wird sich Dienstag ändern. Ich freu mich auf meinen Sohn, der ein bisschen Abwechslung ins Haus bringt. Bleibt nur abzuwarten, wie Papa den "Eindringling" verkraftet. Seit November hat außer meiner Tochter niemand anders Aufmerksam- keit "gestohlen". Es ist schon verrückt, wie nahe Freude und Angst beieinanderstehen... und wie sehr meine rechte Körperhälfte wieder reagiert! 7/8. April Ja, ja, ja! Natürlich hatte ich Angst, große Angst um meine Tochter! Ich weiß auch, dass man nie, nie sagen sollte! Sie bekam das einzige, abschließbare Zimmer im Haus. Wenn er mich zur Nachtschicht brachte, bekam sie Order, ihre Tür verschlossen zu halten. Nach Mög- lichkeit schlief immer eine Klassenkameradin bei ihr, manchmal wo- chenlang. Aber wir waren uns absolut sicher, dass er keinerlei Inte- resse an ihr oder anderen hatte. Im Gegenteil - sie war ihm eher im Weg. Wenn sie zu Hause war, konnte und durfte ich "nur" Mutter sein. Umso mehr förderte er ihre Selbstständigkeit. Vater lehrte sie, ohne mich auszukommen, damit meine Aufmerksamkeit allein ihm zu Gute kam. Über ein Jahr lebten wir in dieser "Misere". Jeder Einkauf, jeder Spa- ziergang, jeder Auftritt in der Öffentlichkeit .... Siamesische Zwillinge. Papa, immer wohlauf, gutgelaunt, gesprächig; Ich, schweigsam, den Tränen nahe, in Gedanken hilfeschreiend. "Was haben Sie für einen tollen Vater! So freundlich, rüstig, hilfsbereit! Darüber vergißt man leicht die Scheidungssorgen....!" Nee, nicht mal die konnte ich vergessen. Mein geschiedener Mann tat sich schwer mit dem Hausverkauf. Da wir beide im Grundbuch stan- den, blieb ich trotz Scheidung mitverantwortlich. Ach, wenn er doch nur mit dem Glücksspiel aufhören würde.... ach, wenn ich nur meine Periode bekäme.... ach, wenn meine Tochter nur auf eigenen Beinen stehen könnte....ich würde mich vor den Zug werfen! 14 Monate nach dem Hauskauf begann mein Körper verrückt zu spie- len. Nach 8-wöchigen Magen-Darm-Problemen und ausbleibender Periode traf mich im Nachtdienst ein Schlag. Zum wiederholten Male war ich dabei, einen Bittbrief an meine Mutter zu formulieren. Sie hatte den Kontakt zu mir und den Enkelkindern gänzlich abgebrochen. Ich wünschte mir weder Liebe noch Herzlich- keit. Aber ein Miteinander-Auskommen, ein angstfreies Bewegen.... falls man sich begegnet. Vielleicht auch ein einziges Ohr, ein Auge; vielleicht konnte ich ihr gegenüber "reden"; vielleicht hätte ich ihr sagen können, dass ich einen Fehler begangen habe. Der Brief wurde nicht fertig. Plötzlich standen Kopf und Rücken unter Strom. Rechter Arm, Hand und Finger gehörten nicht mehr zu mei- nem Körper. Ein glühendheißer Kugelschreiber schien mit der Hand verschmolzen, ließ sich weder fortlegen noch abschütteln. Mit der Linken bog ich die Finger einer teuflisch schmerzenden, rechten Hand auseinander. Luft - Fenster auf! Nur 15 Schritte bis zur Notaufnahme! Quatsch, sind eh wieder nur die Nerven! Das Telefon lässt sich auch mit links bedienen; nur noch 2 Stunden bis Dienstschluss. Weg mit dem Brief, mit quälenden Gedanken. Konzentration! Bewusst atmen! Was passierte da? Hubschrauber im Kopf; ein Gurt schnürte den Brustkorb zusammen; es "raschelte" am rechten Rippenbogen. Der Arm hing nach unten, die Finger waren total verkrampft, als wenn sie noch immer den Kugelschreiber hielten und die Wirbelsäule fi- brierte sobald ich mich setzte, anlehnte und den Kopf beugte. Aha, kerzengerade, fast durchgedrückter Rücken, den Kopf senken und zur rechten Schulter neigen - so lässt es sich aushalten! Einfach nur noch nach Hause, lang legen, ausschlafen - alles wird gut! In der Tat - der Finger ist wieder heile :-)) Wer auch immer sich auf diese Seite verirrt: Habt ein fröhliches und gesundes Osterfest ... und lasst eure Kinder spüren, dass da irgendwann einmal Liebe war, ansonsten stehen sie in 10, 20, 30 Jahren trotz Sonnenschein im Dauerregen 30.März Hab mir die linke Zeigefingerkuppe abgesäbelt! Dachte, heut klappt es wieder - tut`s aber nich :-(( 22/23. März Es fällt schwer - irrsinnig schwer, weiter zu machen. Vieles hatte ich verdrängt... Unser Haus liegt extrem abgelegen, man läuft nicht eben mal daran vorbei. Für Einsiedler, die 20 Jahre in einem 100-Seelen- Dorf gelebt und sich nur mit dem Ehepartner unterhalten haben, mag es der Himmel auf Erden sein. Für mich war es der Rückzug vom Mensch-sein. Größere Gesellschaften waren zwar nie mein Ding, aber Veranstaltungen besuchen, tanzen gehen, einen Stadtbummel ma- chen.... Papa blieb nie allein in unserer "Festung" (zur " Sicherheit" hielt mittlerweile ein großes Tor selbst den Briefträger vom Grund- stück fern). Er begleitete uns zum Tanzkurs, den ich mit meiner Tochter besuchte und machte sich darüber lustig: ich solle mich schämen, in meinem Alter HipHop zu tanzen! Tanzen, die Bewegung, es gehörte zu mir, wie meine Füße... Vater war überall dabei: ob DJ- Bobo-Konzert, Elternabende, Konfirmandengottesdienste, Kinobe- suche (Jugendvorstellungen!). Erschwerend war, Außenstehende fanden es toll, dass ein "Opa", noch dazu in diesem Alter, solch ein Interesse an der Jugend zeigte. Sogar zum Spieleabend bei den Klas- senkameraden meiner Tochter wurde er eingeladen.... Wie konnte/ sollte ich erklären, dass das Interesse allein der Tochter galt? Dass er vorgab, mich "beschützen" zu müssen, um sich selbst vor dem Griff zur Flasche zu schützen? Das Trinken war noch immer ein The- ma. Zwar konnte er uns hier nicht mehr mit gefällten/zerhackten Baumstämmen jagen; nicht mehr mit halsbrecherischen Traktorfahr- ten bedrohen .... aber die Cholerik, die Demütigungen waren nicht weniger verletzend. Es blieb nicht aus, dass ich keinen Besuch mehr empfing (welche er- wachsene Frau möchte bei jedem Gespräch den Vater dabei haben?) und dass ich nirgends mehr hinging - mit "Daddy" im Schlepptau. Dem Klavierlehrer (kam ins Haus) wurde gekündigt, weil "zuviel ge- redet - zu wenig gespielt" wurde; Besuche meines (mittlerweile) ge- schiedenen Mannes oder des Sohnes verliefen unter Aufsicht - ich "hatte nichts Persönliches zu erzählen".... Ich unterwarf mich total seinem Willen. Jedes "Alleinlassen" hatte Alkoholgenuss zur Folge. Ich konnte wählen: entweder saß er, während ich duschte, auf dem Toilettenrand oder .... er kramte im Hühnerstall, im Keller, im Kanin- chenfutter! verbunkerte Flaschen hervor. Ich schlief in seinem Arm. Wenn ich versuchte, mich zu befreien, be- kam er Durst oder..... Mein einziger Trost war meine Tochter - alles was ich abbekam, konn- te sie nicht treffen. Sie hatte ihr Reich im Erdgeschoss und, wenn ich ihr heut Glauben schenken darf, bekam sie das Wenigste mit. 21/22. März Statt kleiner, wurden die Probleme nun immer größer! Mutter und Schwester wollten meinen/unseren Vater nicht in dieser Stadt, nicht in ihrer Nähe wissen. Nachdem Papa (in desolatem Zustand),während wir nichtsahnend 300 km entfernt waren, sein Anwesen (weit unter dem Schätzwert) verkaufte, war Schnelligkeit geboten. Der große Garten mit dem kleinen, heruntergekommenen Haus zwischen 2 Ort- schaften (ein Kilometer entfernt vom ehelichen Haus - knappe zwei von der mütterlichen Wohnung) entsprach Vaters Ansprüchen voll und ganz. Für mich war nur wichtig, dass wir nicht aus unserem Le- bens- Bekanntenkreis gerissen wurden, dass meine Tochter Platz zum Spielen hatte, dass sie die Trennung von Papa und Bruder gut überstand.... Es war diese Eile - Vater ließ keine Zeit für Überlegun- gen; alles musste GLEICH und JETZT geschehen. So schnell, wie er sein Haus verkauft hatte, so schnell wurde nun gekauft ...plus / mi- nus : null (egal, Hauptsache nicht versoffen - dachten wir damals!) Wenn man sich überlegt,dass Mitte Januar erstmals das Wort "Schei-dung" fiel und schon im März der Umzug stattfand - ist wohl kaum zu toppen! Noch bevor das Haus vollständig geräumt war, geschweige denn, Renovierungsarbeiten vorgenommen wurden, hatte Papa sei- nen Umzug erzwungen. Ehemann und Sohn im LKW - Vater, Enkelin, Tochter und 5 Hühner im PKW. Mir wird regelrecht schlecht, jetzt/hier/beim Schreiben! WIESO konn- ten wir uns diesem Einfluss nicht entziehen? WIESO merkten wir nicht was mit uns geschieht? Er hielt die Fäden, die Marionetten tanzten... 18/19.März Jedes Kind liebt Tiere, meine Tochter ganz besonders. Opa kaufte Hühner- und Gänseküken für seine Enkelin, mit der Erklärung, es seien allein ihre. Gern würde er sie unter der Woche versorgen, aber am Wochenende sei sie zuständig. Wenn wir dann wochentags tele- fonierten hieß es: Wenn ihr nicht kommt, werden die Kleinen verhun- gern! Längst hatte er uns so weit, dass ich, um 6 Uhr aus dem Nacht- dienst gekommen, um 8 Uhr im Zug saß... Einmal waren wir derma- ßen erschöpft, dass wir den Ausstieg verschliefen und eine Stunde später in einem Sackbahnhof aufwachten. Wir MUSSTEN fahren, er hätte die Tiere nicht versorgt, wäre betrunken Traktor gefahren, hätte, wie so oft mit dem Strick gedroht. Weil wir den Geburtstag der Kinder meist am Wochenende feierten (ein Tag Kinder/ein Tag Erwachsene) hielt er es bei sich nicht aus; kam mit 4 jungen Gänsen (im Hundebehälter!) angereist und .... war nicht im Zug. Betrunken war er auf der falschen Seite ausgestiegen und kam mit dem Gänse- gepäck über die Gleise gelaufen. Die Gänse machten einen komi- schen Eindruck und waren am nächsten Morgen tot - ein unvergess- licher Kindergeburtstag! Wahrscheinlich wird kein Außenstehender verstehen, dass auch ich darauf drängte, die Wohnorte zusammen- zulegen. Wir Alle waren am Ende unserer Kraft. 17/18. März Schon die Wochenenden, die wir/ich bei Vater verbrachten, hätten Warnung sein müssen. Wir schoben Alles auf die Einsamkeit (Johan-na Spyri - Heidis Großvater?) Dieser enorme Besitzanspruch, über- all musste er dabei sein, Alles musste er wissen, Alles hören...(und das war bei seiner Schwerhörigkeit gar nicht so einfach!). Wir konn- ten nicht vom Tisch aufstehen, ohne zu erklären, warum. Wir konn- ten keine Zimmer betreten, ohne dass er dabei war. Er "verbot" das Lesen auf der Toilette (ohne das geht bei mir gar nix!) und wuselte in unserer Wäsche. Das Buch, welches ich las, musste auch er lesen (wenn möglich, zur gleichen Zeit). Niemand "durfte" am Morgen vor ihm aufstehen und am Abend ging er nicht zu Bett, solange noch jemand munter war. Er begann unsere Tochter "umzuerziehen", eine 11-jährige gehört nicht mehr in Mamas Bett, hat kein Recht auf eine Gute-Nacht-Geschichte und muss ihre Schulhausaufgaben allein erledigen. Nicht Alles lief gegen meinen/meines Mannes Willen. Es war klar, dass wir unseren Sonnenschein, aufgrund der Epilepsien und der Ängste, die sie im Säuglings- und Kleinkindalter verursacht hatte, verwöhnt haben... Sie nahm die Lehren des Opas bereitwillig an und löste sich endlich etwas vom "Rockzipfel" (das hatte bisher noch niemand geschafft!) Gern gaben wir Vater das Gefühl Sinnvol- les, Wichtiges erreicht zu haben, zumal ihm (lt. seiner Aussage) die Erziehung der eigenen Kinder mutwillig und ungerechtfertigt entzo- gen wurde. Papas Macht wuchs - nicht ohne unser Zutun... 13/14. März Das Schreiben hilft nicht nur mir, auch meinem Vater. Wir scheinen uns "neu" kennenzulernen. Es gab in den letzten Tagen viele, tiefgreifende Gespräche, welche nur noch selten in Aggression gipfelten. Der größte Fortschritt: Papa geht abends schlafen, ohne darauf zu drängen, dass auch ich schlafen gehe. Lernt er loszulassen? Wenn ja, dann nur durch diese geschriebenen Zeilen, die ihn sehr nachdenklich gemacht haben. 11/12. März Voriges Jahr im Sommer bekam ich mein Notebook. Das Arbeiten am PC - welcher wegen der Kinder schon Jahre vorher im Haus war - schien mir unmöglich, da ich nach einem schlimmen Schub (2001) nur noch mit gesenktem Kopf sitzen kann. Ich wollte nur arbeiten. Wollte lernen, meine Bilder zu bearbeiten, um evtl. Manuskripte auf CD abliefern zu können (Peter Struwwels Enkel mussten vom Verlag bearbeitet werden - nicht ganz zu meiner Zu- friedenheit :-(( Schnell lernte ich die Vorteile eines Laptops kennen - erstmals (seit 1999) konnte ich (von Papa unbemerkt), Kontakt zur Außenwelt aufnehmen. Ich schloß mich einer Group an - der ich nicht erklären wollte/konnte/DURFTE, warum ich nur Nachts online war. Dass mein Vater, (zu dem damaligen Zeitpunkt) diese Aktivität unterbinden, ja, verhindern würde, stieß auf Unverständnis und so entfernte ich mich wortlos. Als ich im Oktober (Vater hatte mittlerweile begriffen, dass ich an dem Erlebten ersticke, wenn es nicht rauskommt...), mit meiner HP online ging, meldete ich mich zurück.... Ich suchte Gesprächs- partner gleichen Alters. Menschen, bei denen vielleicht auch nicht alles "rund" gelaufen ist... Gefunden habe ich für mich Unwichtiges, Oberflächliches... Gelernt habe ich, dass ich mich zu schämen habe! Dass ich eine Zumutung bin - für die Gesellschaft! Über eine Woche habe ich nun gegrübelt, ob ich den Fortgang meiner Geschichte dieser "ehrenwerten" Gesellschaft zumuten kann oder darf!? Ich bin egoistisch (wie immer!) Ich kann und ich werde - nicht um "Jedermann" zu verärgern, sondern - weil es mir hilft! 02/03. März Von Ernährung will ich nun nicht wieder anfangen ... aber Bananen üben eine beruhigende Wirkung aus :-) Meiner Tochter geht es besser - meinem Vater auch! Zum ersten Mal (seit wir zusammenleben) "durfte" ich "seine" (erzwungen und selbstauferlegten) Pflichten übernehmen. Der Haushalt und 3 Mal Hundespaziergang gehörten mir allein :-) fast hätte ich mich Zuhause gefühlt. Ist aber schon wieder vorbei! Kaum passt der Fuß in den Schuh, übernimmt er das Regiment. Mit Krücke - klack-klack-klack ... bewacht der Schießhund seine Untergebenen. Nein - es ist kein Witz! Ein großer Fettfleck auf dem frischgeputzten Wohnzimmerfenster, ließ meine Tochter in schallendes Gelächter ausbrechen. Papa drückt seinen Kopf gegen die Scheibe, (das Fernglas haben wir verschwin- den lassen!) um meinen Hundespaziergang am Nachmittag zu ver- folgen. Ich bewundere meine Tochter! Wenn Papa dann (wie immer) in cholerischem Ton bestreitet, überhaupt am Fenster gewesen zu sein, kommt ein: Okay Opa, dann bin ich es wohl gewesen! Woher sie ihre Gelassenheit nimmt - ich weiß es nicht. Ich kann sie auch nicht dazu bewegen, dass wir "abhauen". Im Gegenteil! Manchmal, wenn es gar zu hart kommt, drück ich sie an mich, flüster ihr ins Ohr: Lass uns gehen - irgendwohin - Hauptsache weg! Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie, durch mein konsequentes Zutun, alle Freiheiten genießen kann. Sie verlässt das Haus und oft muss ICH MICH rechtfertigen (weil ich dies oder jenes billige) bis sie wieder nach Hause kommt. Was will/kann man von einem 78 Jähri- gen, der niemals Kinder um sich herum hatte, verlangen? Kaiser Wil- helms Zeiten sind nun einmal vorbei... Ich versuche vergeblich einen Platz zwischen 2 Stühlen zu ergattern. Diese, sich täglich wiederholenden Erklärungen: So sieht es die Ju- gend - so das Alter! Diese verzweifelten Versuche, Standpunkte zu klären, Verständnis einzufordern.... Bin ich mit IHM allein, fühl ich mich 100jährig - bin ich mit IHR allein (leider immer seltener :-( ist aber OK - muss so sein!) fühl ich mich jugendlich. Andere Kontak-te wurden untersagt (also auch nicht mehr vorhanden) und mich selbst find ich längst nicht mehr. Nein - soll keine Entschuldigung sein! Aber vielleicht ein Grund für gelegentlich "unmenschliche" An- sichten... Gesellschaftsunfähige sollten sich (wenn sie es denn mer- ken) aus der Gesellschaft zurückziehen - bevor sie gezogen wer- den :-) 26/27. Februar Langsam frag ich mich echt, was ich hier tue! "Bewahre" ich die Welt vor meinem Vater, vor mir oder vielleicht vor uns beiden? Gehöre ich selbst in die Psychiatrie? Was hat diese Schei... Ernährung für einen Einfluss! Seit 4 Wochen finde ich keine Ruhe, keine Nähe, keine Mo- tivation - hier konzentriert weiterzuarbeiten; bin nur am Laufen, Auf- räumen, Wände streichen - "Staubkörner" entfernen... und am Auf- regen! Worüber? Über einen Herrn Oberbrunner, der sämtliche Hun- de aus Großstädten vertreiben will...; über eine Frau von der Leyen, die für alle Kinder Vorschulpflicht fordert...; über "Patienten", die Nachts Krankenhäuser aufsuchen, weil sie nicht schlafen können....; über Menschen, die mich nicht kennen - aber meinen, mir mit Valen- tinstagsgrüßen eine Freude bereiten zu müssen...; über Mütter, deren Kinder für sie gestorben sind, wenn diese keine Zeit für sie finden...; über Väter, sie sich nie um ihre Kinder gekümmert haben, aber laut Recht und Gesetz im Alter Ansprüche erheben können...; über Flos- keln wie "Schönen Tag noch...!" (NEIN - er war nicht schön und wird`s auch nicht mehr werden - schon gar nicht durch DEINEN Gruß)...; und - um endlich ein Ende zu finden: über Menschen, die genauso denken, aber weitermachen wie bisher! OK - Papa hat `nen akuten Gichtschub; meiner Tochter schmerzt seit Tagen die Galle; ich hab zwar 4 Wochen kein Herzrasen gehabt - entwickle mich aber langsam zum Monster (nee, um ehrlich zu sein: Das bin ich längst!) Ab morgen (oder doch erst übermorgen?) geht`s zurück zur "Base"! ....dann klappt`s vielleicht auch wieder mit der HP :-) 19/20. Februar Depressionen? Wahrscheinlich nicht mehr und nicht weniger, nicht seltener und auch nicht öfter, als Andere auch. Es gibt halt so Tage, wo man meint - nix geht mehr! Dieser Montag hatte es in sich. Da gab es nichts, was dem alten Herrn Recht war. Am Schlimmsten trifft es ihn, wenn meine Tochter am Nachmittag (wenn ich aufstehe) schon zu Hause ist. Er mag es nicht, wenn ich durch sie von ihm ab- gelenkt werde. Er mag nicht, dass sie mich zum Lachen bringt, dass sie mich zum Reden bringt... Lieber erträgt er mein Schweigen, mei- nen bitteren Ernst - Hauptsache - er ist mit mir allein. Das war schon immer so. 20 Jahre hatte seine letzte Ehe gedauert, da gab es keine Besuche, keine Ausflüge, keinen Kontakt zu den Nachbarn. Als wir zu ihm kamen, in ein 110 Einwohner-Dorf, wurde uns gleich der Kontakt zu den Einheimischen untersagt. Alle waren schlecht! Seine Todesanzeige im Dorfblättchen(lag schon Jahre zu- rück) war ein "Beweis", wie arg man mit ihm umging. Auch die be- sprühte, verschandelte Hausfassade erregte lediglich Mitleid - kei- nesfalls Misstrauen! Wie kann man älteren, friedlichen Menschen so etwas antun? Heute wissen wir, wie das möglich war! Wer den Martin-Enlen-Film, "Roula" (mit Anica Dobra) kennt, weiß, über wen und über was ich schreibe. Mein Vater ist Baby geblieben - er braucht EINE Kontaktperson - egal, welche. Ich, als Person, bin unwichtig. Zu Recht mag sich nun manch einer fragen, warum bleibt sie? Nun - ich habe meinen Vater 40 Jahre lang vermisst/gesucht.... Ich habe sein Leben durcheinandergebracht; vielleicht bin ich (wenn auch indirekt) Schuld am Tod seiner Frau?! Ich habe ihm seine Hei- mat genommen, weil ich nicht bereit war, zu ihm aufs Land zu zie- hen (wollte meiner Tochter keinen Schulwechsel zumuten; wollte meine Arbeitsstelle nicht verlieren....) Ich fühle mich schuldig! Was soll ich tun? Unsere Sachen packen - ihn dem Alkohol überlas- sen? Soll ich (Vorschlag "unseres" Hausarztes) einen 78-jährigen in die Psychiatrie einweisen lassen? Mit welcher Rechtfertigung - damit es MIR besser geht? Geht es mir damit wirklich besser - und wenn - wie lange? Papa war in der Lage, uns auf 300 km Entfernung zu tyrannisieren - wie weit müsste ich mich wohl entfernen, um... Und immer wieder sage ich mir: Gudrun, du bist undankbar! Was willst du? Er rührt dich nicht mehr an! Du muss nicht mehr in sei- nem Arm schlafen! Du darfst wieder allein duschen, allein auf Toilette Er bringt dich nicht mehr zur Arbeit - um anschließend 6 km zu Fuß nach Hause zu laufen (nur um sicher zu gehen, dass ich wirklich gut ankomme! Morgens das gleiche Spiel, er holte mich zu Fuß ab...). Du DARFst mittlerweile auch mal allein zum Einkaufen fahren (aller- dings mit Vorrechnung, wie lange es zu dauern hat). "Ausbruchversuche" wie z. B. ein Wochenendbesuch bei meinem Sohn oder kleinere "Freizeitvergnügen", wurden und werden noch immer "belohnt". Sei es mit Alkoholgenuss, mit Rasierwasserduft auf meinem Kopfkissen, mit gelblichen Flecken auf meinem Bettla- ken, mit meinem Slip unter seinem Kopfkissen.... (nein - mein Zim- mer besitzt keine Tür. Aber selbst wenn es eine hätte - es wäre kein Hinderungsgrund - genau wie er das Zimmer nicht verließ, wenn ich Besuch bekam und wie er jegliche Post öffnete). Ich habe gelernt, damit zu leben - seit 6 Jahren bekomme ich keinen Besuch mehr; ich vermeide es, ihn allein zu lassen und "überlasse" ihm den Briefkasten.... immerhin - mein Körper gehört mir allein! Und dann - Tage wie dieser! Ich möchte rennen - und weiß nicht wohin; Ich möchte fliegen - und weiß nicht wie weit; Ich möchte tauchen - und weiß nicht wie tief; Ich möchte NICHT alt werden - aber wann fängt das Alter an? Wann fängt der Zustand an, dass unsere Kinder sich "verantwort- lich" fühlen? 17. Februar Mein Mann hatte Angst - panische Angst vor Papa. " Der schlägt mich tot, wenn ich versuche, euch mitzunehmen!" Ja - so war meine bessere Hälfte. Unserer Ehe fehlte dieses "in guten wie in schlechten Tagen.... Bis dass der Tod euch scheidet". Wir hat- ten (in beiderseitigem Einvernehmen) bei der Trauung auf diesen Eid verzichtet. War wohl ein schlechtes Omen... Auf der anderen Seite war mir auch immer klar, dass mein Sohn, den ich mit in die Ehe brachte, äußerste Priorität besaß. Wenn es sich nur um mich gehandelt hätte, wäre die Sache einfacher zu verkraften gewesen. Aber er ließ auch seine Tochter in der "Höhle des Löwen".... Dass es ihm heute Leid tut, steht außer Frage. Dass ich es nicht vergessen kann - leider auch. 14. Februar Nein - ich "hintergehe" meinen Vater nicht! Er ist damit einverstan- den, dass ich meine Erlebnisse von der Seele schreibe. Papa hält sich für unschuldig - sagte oft: Geh doch, zeig mich an! Die lachen dich aus! Du bist eine erwachsene Frau, keine Minderjährige! Letzt- endlich gehören immer zwei dazu, du hättest dich wehren können! Wer meinen Vater damals kannte (mein Exmann, die Kinder....), weiß, dass ich keine Chance hatte. Außer, ich wäre nicht mehr hin- gefahren und genau das wollte ich nach dem Erlebnis im Heu auch nicht mehr. Wenn da nur nicht diese "Verantwortung" gewesen wäre. Er tyrannisierte - rief 10 mal am Tag an, behelligte mich mit seinen Anrufen am Arbeitsplatz, drohte, sich aufzuhängen; versprach, nie mehr zu trinken, alles wäre nur ein Missverständnis; ich wäre doch seine Tochter und überhaupt, er wolle nur mein Bestes.... Diese "Gedanken" sind das Einzige, was ich nicht mit ihm teile. Alles Andere lasse ich "absegnen", "muss" teilnehmen lassen an Formulierung und Deutung. Demzufolge wird "die Mutter" und "die Frau" nur das dokumentieren, was seiner Erinnerung und seinem Willen zuträglich ist. 13. Februar Die Konzentration fehlt gänzlich. Was will ich nun, körperliches Un- wohlsein, bei dem ich in der Lage bin zu malen, zu schreiben, zu dichten.... oder eher dieses unruhige Hin- und Hergewusel? Dem Körper, dem Herz geht es gut - ja! Dem Haushalt auch, vieles war liegengeblieben in den letzten Wochen.... Aber, dass ich mit dem Kopf nichts leisten kann, keine Geduld, keine Ausdauer habe - macht mich fertig!!! Wenn ich nur EINEN Menschen finden würde, der gleiche oder auch nur ähnliche Erfahrung mit der Ernährung gemacht hat.... Da ist NIEMAND, der mir glaubt, was unsere Nahrungsmittel bewir- ken! Da ist NIEMAND, der anstelle von Medikamenten eine Einschrän- kung der Essensgewohnheiten in Kauf nimmt! Da ist NIEMAND - weil es einfacher ist, die Verantwortung für die EIGENE Gesundheit in FREMDE Hände zu legen! 11/12. Februar Filmriss - Jekyl (wird der überhaupt so geschrieben?) und Hyde! Diese konsequente Ernährungsumstellung verändert ALLES. Nichts scheint mehr so, als in den Tagen/Wochen/Monaten zuvor! Fast 14 Tage ohne Herzrasen; Kraft und Lust zum Laufen; keine Mü- digkeitserscheinungen; veränderte Gesichtsfarbe; der ganze Körper scheint aufzuatmen. Und das mit Cola, Weißmehl und Schokolade! Im Gegenzug besteht keinerlei Interesse an "Denkaufgaben". Es feh- len die Worte beim Rätseln, die Zahlen bei Sudoku und die Gedanken für diese Seite. Seit 18 Jahren beobachten wir dieses Phänomen. Meine Tochter "ver- gaß" ihre Spielsachen, war nur noch in Bewegung; hyperaktiv rannte sie Treppen hoch und runter, war laut und aufgekratzt... Wenn dann gesundheitliche Probleme auftraten - wechselte ich die Ernährung. Während der folgenden Trägheit und Bewegungsunlust war sie ver- sessen auf Konzentrationsübungen, spielte schon als 6jährige mit Leidenschaft Klavier, stickte mit mir um die Wette und saß stunden- lang über ihren Schulaufgaben. Die von Ernährungswissenschaftlern als gesund angepriesenen Nahrungsmittel - Obst, Gemüse, Vollkorn- brot, Wasser... ließen und lassen sich bis heute nicht mit den "unge- sunden" vermengen. Weißmehl und Wasser - Katastrophe! Weißmehl und Cola - OK. Obst/Gemüse und Cola - Katastrophe! Bratkartoffeln/ Fleisch/Cola - OK. Warum ich dieses koffeinhaltige Getränk so hervor- hebe? Alles was Frucht beinhaltete, verursachte Neurodermitis; Milch war und ist bis heute kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel, wel- ches mit nichts Anderem harmoniert und Wasser verursachte ein me- gadickes, schmerzendes Bäuchlein.... Nachdem die ersten 2 - 3 Jahre (Krampfzeit) milch- und fleischlos ernährt wurde, kam es durch den "Versuch" Cola zu verabreichen, zu einer großen Überraschung: kei- ne Neurodermitis; kein "Wasserbäuchlein" und Fleisch und Milchpro- dukte wurden beschwerdelos abgebaut (bis heute haben weder Zäh- ne (absolut kariesfrei), noch Gewicht, noch Schlaf darunter gelitten!) Nun bin ich doch ins "Faseln" gekommen.... Ich genieße momentan die Beschwerdefreiheit, brauche viel Bewe- gung und weniger "Denksport". Aber... die nächste "Umstellung" kommt bestimmt - spätestens, wenn das Herz aufmuckt, ich mir die- sen N-Virus einfange oder wenn die Schwarzen Löcher sichtbar wer- den... 29/30. Januar ...und noch eine Nacht :-) Auf der einen Seite schäme ich mich, weil die Krankheit eines Kolle- gen kein Grund zur Freude sein dürfte - auf der anderen Seite bin ich stolz, mir selbst beweisen zu können, was alles schaffbar ist! Aller- dings wird es nun Zeit, die Segel einzuholen. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als wenn Andere "sehen", wie es mir geht. Es fehlt an Schlaf und frischer Luft. Den Hundespaziergang schaff ich schon seit einer Woche nicht mehr, lieber spar ich die Kraft für die Arbeit auf. Hab heut mal wieder die Ernährung umgestellt. Immer wenn`s mir ganz beschi.... geht, lasse ich Dinge fort, die ich in letzter Zeit ge- gessen habe und ersetzte sie mit Anderem. Viel zu umständlich, das genauer zu beschreiben. Nur ganz kurz: beim letzten Zusammen- bruch verschwanden Cola, Weißmehl, Hefe und Bratkartoffeln vom Speiseplan. Ersatz lieferten Wasser (nur ohne Kohlensäure!), Dinkel- brot, mit Ferment gebacken, täglich Banane und gekochte Kartoffel (fängt Säure auf). Wie bei den meisten Diäten, klappt das eine Weile sehr gut! Wenn das körperliche Wohlbefinden irgendwann wieder auf der Strecke bleibt (nämlich JETZT), lasse ich all das fort, trinke Cola, esse Pizza und Brötchen und meine heißgeliebten Bratkartoffeln. Mag sein, dass die Psyche (warum auch nicht) eine große Rolle dabei spielt, aber wie der Körper reagiert, ist immer wieder den Versuch wert. Ich weiß noch nicht, ob oder wie lange es diesmal gut geht.... vielleicht muss ich auch Fleisch oder Milchprodukte verbannen?! Meine langjährige Erfahrung (naja - hört sich blöd an! bin ja kein Er- nährungsberater!) hat gezeigt, wenn der Stoffwechsel sich an Dinge gewöhnt hat, wird er aufsässig. Man muss ihn überrumpeln, ihn mit Ungewöhnlichem irritieren, ihn beschäftigen wie ein Kleinkind.... Leider kennt er in zwei bis drei Monaten das "Spiel" und Alles geht von vorn los! Trotzdem - 3 Monate ohne Wehwehchen sind nicht zu verachten, oder? Freu mich jetzt schon (2.34 Uhr) auf mein Salamibrötchen (allerdings OHNE Butter oder Margarine) zum Frühstück :-) ... und den Hundespaziergang werd ich heut auch schaffen! WETTEN DASS ??? Papa geht`s übrigens gut - zu gut! Es ist ein Phänomen, wie stark und selbstbewusst (von sich eingenommen) ein Mensch wird, wenn er das Gefühl bekommt, gebraucht zu werden. Er reißt sich die Beine aus, läuft 3 Mal am Tag mit Kitty seine Runden und "managt" den Haushalt und seine Enkelin.... Sobald ich wieder zu Hause bin (dienst- frei) und es mir körperlich besser geht (er kann meine "guten Tage" nicht ausstehen) wird er in sich zusammenfallen und erwarten, durch Wort, Blick und Tat Dankbarkeit für seine "Aufopferung" zu erlangen. Ich KANN und WERDE seine Erwartung nicht stillen können! Egal was er tut oder nicht tut, ich FÜHLE keine Dankbarkeit. Weil ICH nicht vergessen kann, fühl ich mich beschissen! Weil es mir wieder besser geht, fühl ich mich beschissen! Weil ICH meinen Haushalt wieder übernehmen will, fühl ich mich beschissen! Weil ICH meiner Tochter wieder zuhören kann, fühl ich mich beschissen! Weil ICH am Nachmittag mit Kitty laufe, fühl ich mich beschissen! Weil ICH IHN nicht brauche, fühl ich mich beschissen! Weil er mich nicht gehen lässt (obwohl er weiß, wie ich denke), werde ich mich beschissen fühlen, bis ich wieder Dienst habe....und meine Flügel sich ausbreiten können. 27/28. Januar Löcher, so tief und schwarz wie lange nicht mehr. Als Kind wünschte ich, dass die Erde unter mir aufbricht und mich einfach verschluckt. Heute weiß ich, die Erde ist rund.... irgendwann müsste ich am an- deren Ende rauskommen. Aber NEIN! Ein paar Tage fällst du, immer tiefer, von einem Loch zum anderen. Die Füße gehorchen nicht - der Knöchel schmerzt, vom vielen Umknicken. Da wird es Zeit, sitzen zu bleiben. Du liest, beschäftigst dich mit dem Laptop, versuchst etwas Sinnvolles mit den Händen zu bewerkstelligen... spätestens wenn die Finger blutig sind, weil du die Nadel nicht fühlst; wenn du die Cola neben das Glas geschüttet hast (stand das nicht weiter rechts?); wenn du überall blaue Flecke hast, weil Ecken und Kanten plötzlich vorstehen; wenn das Notebook, welches du mit beiden Händen ge- tragen hast, um es mit ins Schlafzimmer zu nehmen, mit einem dumpfen Knall auf dem Fußboden landet.... spätestens dann wird es Zeit, das Bett nicht mehr zu verlassen! (das Notebook lebt - die Macke im PVC auch :-) Ich hatte so gehofft, durch die Löcher durchzurutschen - aber irgend- wann fangen sie an zu blubbern, aufzustoßen, nach oben zu drücken, auszuspucken.... und schon bist du wieder da, wo du eigentlich nicht sein möchtest. Musst in Augen gucken, die dich nicht sehen; redest in Ohren, die dich nicht hören.... die Sonne scheint viel zu grell, der Schnee ist zu weiß und außerdem ist es saukalt! Aber, ich darf arbeiten! Wenn auch nur 2 Nächte - ein kurzer Wo- chenend-Fledermaus-Tanz. Nein - ich bin kein Suizid-Kandidat. Ich kann allerdings Menschen verstehen, die diesen Weg wählen. Ihnen fehlt einfach die Geduld! Die Geduld abzuwarten. Mit Sicherheit gibt es gläubigere Menschen als mich! Aber, an eine Sache glaub ich ganz fest: DAS kann ES nicht gewesen sein! Was wir hier erleben, ist eine Probezeit. Eine Zeit, in der wir uns bewähren müssen. Dieser Glaube hilft mir, mich immer wieder aufzurappeln, die Steine aus dem Weg zu räumen und dem Unfrieden die Stirn zu bieten. Manchmal wünsch ich mir zwei weitere Hände, um die Steine tragen zu können. Es ist wohl die 13. Fee, die Füße hinstellt, welche die Stei- ne lediglich treten, um für sich freien Durchgang zu bekommen. Manchmal wünsch ich mir eine zweite, stärkere Stirn, um das "Un" von dem "frieden" zu trennen, um den Frieden "groß" werden zu las- sen.... Irgendwie mißversteht sie mich, diese 13., schwarze Fee! Sie schiebt ein "zu" dazwischen! Ich mag es nicht, unzufrieden zu sein - darum überlasse ich das Wünschen (inkl. 13. Fee) in Zukunft denen, die zu träge sind, sich zu bücken, um die Steine aus dem Weg zu räumen. Dies soll ein Vorsatz sein - auch wenn er momentan zum Nachsatz mutiert :-) 15/16.Januar Das Schlimmste scheint überstanden! Nach den Herzattacken ka- men wieder qualvolle Kopfschmerzen mit Genickstarre und Augen- druck.... Dank eines kranken Kollegen (tut mir Leid!) durfte ich wei- terarbeiten. Morgen ist unwiderruflich meine letzte Nacht. Aufgerappelt - Tag für Tag; nicht gewusst, wo vorn und hinten ist; mechanisch wie ein Roboter. Ärger gehabt mit Auto, Tochter, Ex- mann und Vater... Keine Zeit an Krankheit zu denken, eher: wie schaffst du es unter die Dusche; wie schaffst du den Hundespazier- gang; wie schaffst du die Arbeit, ohne aus den Schuhen zu kippen; wie schaffst du es, nicht zu Hause bleiben zu müssen... Ich hab`s geschafft - DESHALB geht es mir gut! Naja, nach Dienstschluss, gleich um 6.00 eingekauft - dann braucht man am Nachmittag nicht los....Kopfschmerz weg - Herzrasen da! Gott sei Dank nur bis 10.30 :-) Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Lichtlein her... .. und rechnet nicht mit Wind 5/6. Januar Seit 42 Stunden...ein gesundes Herz (glücklich sind die Hoffenden, denn sie wissen nicht, was sie tun :-) Meine letzte Nacht! Ab morgen ist wieder Zwangsurlaub angesagt. Ich werde schlafen bis die Sonne untergeht. Erst wenn Papa die ersten Müdigkeitserscheinungen verspürt, wird mein Bewußtsein munter. Ich fühle mich undankbar, nachtragend und manchmal bösartig! 37 Jahre habe ich meinen Vater - mal mehr, mal weniger - vermisst und herbeigesehnt. Als sich 1994 das große Geheimnis lüftete (nachdem ich meine Mutter fast zur Weißglut gebracht hatte) schien es mir, als wäre ich endlich "angekommen". Mein Mann ser- vierte mir freudestrahlend die Telefonnummer und..... Nein! Nicht gleich! Es hat gedauert.... "Hallo, entschuldigen Sie die Störung, wir kennen uns nicht. Sind Sie Herr ...? Haben Sie in ..... gewohnt? Wa- ren sie dort verheiratet? Haben Sie 2 Töchter? Ich bin die Eine!" Betretene Stille! Er war wieder verheiratet, zwar kinderlos, aber seine Frau hatte nicht die geringste Ahnung von seinem Vorleben. Trotzdem - er wollte mich so schnell wie möglich sehen. 300 km betrug die Entfernung (ich fuhr schon damals ungern und selten Auto), aber mit der Bahn war es ein Leichtes. Morgens hin - am Abend zurück. Aber bitte, bitte allein! Diese Gefühle wollte ich nicht beobachtet sehen. Es war schön - unbeschreiblich. Wie Mutti mir immer vorgehalten hatte: Diese Ähnlichkeit - kein Zweifel. Eine ungeheure Vertraut- heit, vom ersten Augenblick. Aber auch ein ungeheurer Hass in den Augen seiner Frau. Der Tag ging schnell zu Ende und schon auf der Heimfahrt war mir klar: ich bin ein Eindringling! Ein Zerstörer! Hof- fentlich nimmt die Ehe durch meine Neugier keinen Schaden! Kategorisch hatte die Frau das "Du" abgelehnt; keinen Hehl aus ihrer Verletztheit gemacht; erst beim Abschied huschten freund- liche Züge über das alte, verhärmte Gesicht ... Nein, ich war nicht unglücklich. Diese Sehnsucht, die ich immer verspürt hatte, war gestillt. Ein freundlicher Brief, indem ich um IHRE Erlaubnis bat, schriftlich oder telefonisch Kontakt zu halten, blieb unbeantwortet (viel später werde ich erfahren, dass mein Vater ihn unterschlagen hat!) Viel später werde ich auch erfahren, dass alle "Gemeinheiten", die Mutti erzählt hatte, der Wahrheit entsprachen. Ich werde weinend Gerichtsakten durchlesen, in denen er mich für tot erklärt hatte, um an Gelder heranzukommen, die er ... für was auch immer be- nötigte. Ich werde erfahren, dass er im Gefängnis saß und seine Kinder für immer abgeschrieben hatte..... viel später.... zu spät... In 3 Stunden ist mein Dienst beendet. Ich werde nach Hause fah- ren, er wird das Licht in der Garage schon angemacht haben, mei- ne Tasche ins Haus tragen, fürsorglich fragen, wie die Nacht ge- wesen ist. Wir werden gemeinsam eine Zigarette rauchen und er wird mich ins Bett bringen und das Licht löschen... Papa ist demütig - er weiß, was er mir angetan hat. Er weiß, was er der Welt angetan hat.... er weiß auch, dass er nichts von all dem ungeschehen machen kann.... Ich weiß, dass er 1945 von seinem Vater angehalten wurde, Leichen zu stapeln; ich weiß, dass er zum Alkoholiker wurde, weil er Angst vor Höhe hatte (Beruf: Maurer); ich weiß, dass er (durch seine Art) 2 Frauen unter die Erde gebracht hat. Ich weiß aber auch, dass kei- ne der insgesamt 3 Ehefrauen mitgekriegt hat, warum dieser Mann so geworden ist, wie er ist. Er kann nicht allein sein; hört die ganze Nacht Radio (Stimmen); ließ anfangs alle Lichter brennen; läuft auf Schritt und Tritt hinter mir her... Ein Psychologe hat das Phänomen treffend beschrieben: Ich bin seine Flasche - solange ich da bin - braucht er keinen Alk. Und so werde ich "dasein" - rund um die Uhr - bis meine Dienst- zeit wieder beginnt ..... oder das Herz explodiert.... Manchmal tröstet es mich "nur " MS zu haben.... 3. Januar Ich möchte mich bedanken. Für viele wertvolle Tipps, Links und lie- be Worte. Gern nehme ich auch die HP-Adresse von Alexa Nietfeld in meine "Lichtblick-Liste" auf. Durch 30-jährige, verzweifelte Suche nach Ursachen, hab ich für mich jedoch den einzig-richtigen Weg längst gefunden. Frau Schmidt tut es mir leicht....Ärzte, die um ihren Job bangen müssen, können sich nicht mehr auf Patienten konzentrieren; Krankenhäuser, denen die Schließung droht, haben andere Sorgen als ....; Patienten, denen das Geld aus der Tasche ge- zogen wird, werden umdenken... Für 28 Tage Krankenhaus oder Kur (280 Euro!) will und kann ich mich nicht mehr behandeln lassen- zumal evtl. nichts bei rauskommt (lieber hinterlasse ich das Geld meinen Kindern - ich hoffe allerdings, sie müssen es nicht zum Arzt tragen!) Die Dinge so hinnehmen, wie sie sind.... Kaum jemand weiß, wie stark ein Körper, ein Immunsystem sein kann. Viel zu früh, viel zu oft werden Medikamente eingesetzt, die nicht selten bestehende Symptome verschlimmern. Den Körper selbst regulieren lassen - das haben wir Menschen verlernt! Ebenso wie "natürlich" zu essen, sorgsam mit Chemie umzugehen und/oder Ängste zu verarbeiten. ES IST WIE ES IST - ich habe die Angst gänzlich verloren; offensicht- lich macht genau DAS stark (hab schon wieder seit 3 Stunden Herz-rasen - manchmal wünsch ich mir, dass es endlich auseinander- platzt! Nich unbedingt jetzt - dieser Gruß will noch gesendet wer- den :-) Aber selbst wenn es so wäre - ich habe meinen Traum ge- lebt, weil mir zwei wunderbare Kinder geschenkt wurden. Zu wis- sen, sie werden ihren Weg gehen, gibt mir Ruhe, Kraft und eine gewisse Gelassenheit. Eigenschaften, die kein (noch so guter) Me- diziner einbringen könnte! ...es rast und rast und rast! Werde mich nun verabschieden... 2. Januar Neeeein - ich bin nicht unstet. Ich benutze diese HP, um meine jeweilige Gemütsverfassung zu beeinflussen. Ich werde auch an Mutter-Tochter-Frau und der Bildergalerie weiterarbeiten - kann aber erst wieder in der Vergangenheit kramen, wenn ich DIESE Gegenwart überstanden habe; kann auch nur "lustig" malen, wenn ich eine Spur von Lust in mir finde... Wieder Herzrasen! Knappe 4 Stunden hatte mich mein Pressluft- hammer in seiner Gewalt...noch an der Arbeit - auf dem Nach-Hau- se-Weg... doch Schluss jetzt! Da die vorigen Seiten mit "Einer Frau" enden, werde ich in meinen "Gedanken" den Rest erzählen. Ich weiß nicht, wie man DAS nennen kann, was ich heute bin. Die Diagnose MS hatte den Ausschlag ge- geben, ALLES zu überdenken. Gern wäre ich vom Balkon der Neuro- logischen Klinik gesprungen - aber die Liebe zu meinen Kindern zog einen Stacheldrahtzaun. Ich musste also wieder zurück. Zurück in dieses Haus, in dem mein alkoholkranker Vater uneingeschränkte Rechte in Anspruch nahm; mich emotional von meinen Kindern zu trennen versuchte, seit na- hezu 2 Jahren meine Seele und meinen Körper vereinnahmte und mich konsequent von der ganzen Welt abschottete. Mir war klar, dass der psychische Faktor den genetischen MS-Faktor weit übertraf, hatte auch psychologische Beratung - aber allein das Alkoholproblem meines Vaters (und die daraus entstandenen, ab- normen Verhaltensweisen) setzten den Gesprächen die Krone auf. Unwissenheit, Scham und tierische Angst ließen mich weiterhin schweigen. Zu oft schon, hatte ich Papa gedroht, ihn anzuzeigen; zu oft schon ihn gebeten, einen Entzug zu machen.... Die Angst um meine Tochter ließ mich schlucken, immer und immer wieder. So lange ich "lieb" war, drohte keine Gefahr. Mit der Diagnose im Gepäck stand ich nun wieder vor seinen rot- unterlaufenen Augen... Schnell war klar: bis hierher und keinen Schritt weiter! Lieber wollte ich ins Gefängnis gehen, als so weiter- zuleben. Ja - ich drohte mit Mord! Nicht nur ihm gegenüber ..... auch .... (ich möchte nicht anklagen...obwohl sie es verdient hätten!) Noch heute (5 Jahre später) liegt ein Stein in meiner Bett- ecke, gesammelte Pillen erinnern an eine Zeit, die ich meinem schlimmsten Feind nicht wünsche...In Gedanken habe ich den Ab- gasschlauch in sein Schlafzimmer gelegt und den Fön in die Bade- wanne geworfen... Ich ritzte mir die Arme auf, um mit körperlichen Schmerzen die seelischen zu unterdrücken, stutzte meine heißgeliebten, langen Haare bis zum Durchschimmern der Kopfhaut zurück und trage noch heute keinerlei Kleidung, die frauliche Konturen verrät. Berührungen jeglicher Art (bis auf die meiner Kinder) sind mir zuwider, selbst Ärzte verursachen Panikattacken ... ICH BIN WIE ICH BIN - UND ICH KANN ES NICHT ÄNDERN....... Papa hat nie wieder über den Durst getrunken, mich nie wieder berührt! Ich sollte dankbar sein, denn er ist der Einzige, mit dem ich über all diese Dinge reden kann! Und doch wünsche ich mir, dass er seine Augen schließt - bevor ich meine schließe... 1. Januar 2007 Das "alte" Jahr ist vorbei - meine Herzattacken auch. Gestern hat es sich ausgestolpert. Hab heut zum ersten Mal wieder vernünftig geschlafen. Was war`s - der Wetterumschwung, die Feiertage, falsche Ernährung oder die MS? Nein, sicher nicht das Letzte! Hat doch mein Hausarzt im Sommer noch gesagt: MS hat keinen Ein- fluss auf das Herz! Diese Aussage hätte ich mir gern erspart, aber meine Tochter brauchte ein Attest und so saßen wir gemeinsam im Wartezimmer als das Rasen begann. Ich ergriff gleich die Flucht ins Treppen- haus (... und ich weiß warum!), wo der Doc mich erwischte. Nein, bitte nicht schon wieder diese Kabelei, dieses Ruhig-auf-dem- Rücken-liegen macht alles nur noch schlimmer! Keine Chance! Infarktgefahr! Da liegst du nun und weißt genau: SO wird ES nicht vergehen.... Nein, ich möchte keine Spritze! Nein, auch keine Pillen und... schon gar nicht ins Krankenhaus! Vor 20 Jahren hattet ihr Gelegenheit - rum-und dum(m)gedoktert ohne Befund. Medika- mente ausprobiert, ohne Wirkung. Nichts konnte das "Psychosen- herz" zum Stillstand bringen, außer meiner Ignoranz. Nur kein Auf- sehen erregen (die Umwelt reagiert erschrockener als ich selbst), einfach zur Tagesordnung übergehen. Irgendwann wird es schwarz vor den Augen und du denkst: Jetzt ist Alles vorbei - es steht für immer still.... Doch es ist nur dieses ungewohnt-ruhige, gleichmä- ßige Schlagen eines gesunden Herzen. "Auf eigene Verantwortung" hab ich die Praxis verlassen können. Rein in`s Auto, Einkaufen.... Ich bete zu Gott, dass ich während einer Attacke keinem Arzt mehr über den Weg laufe. Manch einer wird sich fragen: Was soll das? Warum schreibt die Frau diese Dinge ins Net? Es gibt eine einfache Erklärung: Ich hab mir das Reden abgewöhnt weil eh niemand zuhört. Zu oft in meinem Leben hab ich nach Hilfe gefleht, gerufen und - letztendlich (Sommer2001) - geschrieen. Erst nachdem mir bewusst wurde, dass niemand helfen kann, will oder darf, begann ich zu schreiben. Mittlerweile weiß ich, dass selbst diese Art von "Aufarbeitung" uner- wünscht ist. Hiermit möchte ich bei den Betroffenen um Nachsicht bitten - gönnt mir diese letzte, verbleibende Chance! 28.12.2006 Herzrasen! Wie immer, im Winter stärker als zu anderen Jahres- zeiten. Doch dieses Jahr übertrifft es jegliche Vorstellungskraft! Seit einer Woche, täglich bis zu 6 Stunden, einen Puls zwischen 180 und 220. Ich wage es nicht mehr schnelle Bewegungen zu machen, tief durchzuatmen oder aufrecht zu gehen. Mit Absicht hatte ich jeglichen Stress vermieden - kein Weihnach- ten "gefeiert", die Kinder ausgeladen.... Von 12 Diensten, ist es heut die 4 Nacht. Im Moment hab ich Ruhe, aber du wartest - wartest auf die nächste Attacke. Vielleicht auf dem Nachhauseweg - im Auto; oder anschließend, während des Schlafes - an Weiterschlafen ist dann nicht mehr zu denken; oder wie gestern am späten Nachmittag, während des Hundespa- ziergangs (den ich dringend brauche!). Du läufst in die Dunkelheit und plötzlich ist ES da - mit einer Wucht, die den Boden unter den Füßen wegzureißen versucht. Du musst weiterlaufen, wenn du stehenbleibst, hast du verloren... Psychisch, hatte man vor vielen Jahren gesagt! Medis (ich weiß nicht mehr welche) zeigten keine Wirkung. Die gemachten EKG`s und kurzfristigen Besuche auf der Intensivstation kann und will ich nicht mehr zählen. Seit 30 Jahren lebe ich nun mit dieser "Besonderheit". Sie hat mich nicht umgebracht und ich befürchte, sie wird es auch in Zukunft nicht....
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