Sonntagmorgen Viele Tage und auch Nächte hab ich mich herumgequält mit der Frage, welche Farbe meiner Seele Ruhe schenkt. Nicht mehr jung und n och nicht alt, spürte ich vollkommne Unsicherheit. Mal zog`s mich zur Jugend: kunterbunt, grell; Dann wieder zum Anstand: farblos, pastell. Bei Schwarz überkam mich große Trauer; Unschuldig-weiß wird grau auf Dauer; Gelb ist die Falschheit, erzählt der Volksmund; Und blau steht für Treue, wirkt das noch gesund? Viele Tage und auch Nächte hab ich mich umsonst gequält mit der Frage, welche Farbe meiner Seele Ruhe schenkt. Denn plötzlich dann, am Sonntagmorgen: keinerlei Zweifel - verflogen die Sorgen! Mein Spiegelbild zeigt Rot und Grün; Farben, die für Liebe und Hoffnung stehn. Gudrun Gundlach Veröffentlicht in der FRANKFURTER BIBLIOTHEK Jahrbuch für das neue Gedicht 2006 BRENTANO-GESELLSCHAFT FRANKFURT/M An alle Menschenkinder Viele Jahre ist es nun her, da liebte ich die Weihnachszeit sehr. Glaube mir, es ist nicht gelogen, gern kam ich zu dir geflogen. Schmückte Fenster und Tapeten, hatte Spass am Schneemann kneten. Lehrte dich die Weihnachtslieder, strickte Socken und auch Mieder. Des Nachts kam ich auf leisen Sohlen, den Wunschzettel vom Nachttisch holen. Kein Weg war zu weit, zu groß keine Müh`, habe geschuftet bis in die Früh`. Ich schmückte den Baum, ließ erklingen das Glöckchen - du hast dich gefreut, sogar über Söckchen. Doch mit der Zeit, ich frag mich warum - war plötzlich alles nur noch "dumm". Du hast diktiert, was ich hatte zu bringen, Weihnachtslieder mochtest du keine mehr singen. Es war keine Rede mehr von "Myrrhe" und "Weihrauch", vorbei und vergessen - die Geburt Jesu - auch. Ich dachte noch: Jetzt nur nicht aufgeben, versuch es mit "Gold"! Doch auch das ging daneben! Baby Born und Puppenwagen, Markenjeans und Einkaufsladen, Computer und auch Tennisplatten vertrieben selten nur die "Schatten". Ein Schatten liegt auf deinem Gesicht, ob Myrrhe, ob Gold - ich vertreib ihn nicht. Ich bin soooo traurig, weiß nicht mehr weiter, frustriert steig ich hoch - meine Himmelsleiter. Vielleicht komm ich wieder ... wenn - dein Auge vom schönsten Weihnachtsbaum schwärmt, - Kerzenlicht dein Herz erwärmt, - am Plätzchenduft sich deine Nase erfreut; - dein Mund sich nicht vor dem "Danke" scheut, - deine Hand bereit ist, zu überbringen, - dein Ohr hört - was die Engel singen. Lern zu verstehen - nur so kann das Weihnachtsfest Freude bringen. Gudrun Gundlach MIES(E)MUSCHEL Es fehlen ihr Wirbel, Sinn und Verstand. Mit nur einem Fuß, ohne Hände, Augen und Ohren wäre der Mensch schnell verloren! Es sei denn, er hätte zwei Schalen mit Scharnier wie dieses beneidenswerte Wasser-Weichtier. GuGu DIE FAUST Geh endlich fort und komm nie wieder, mit Feinden sing` ich keine Lieder! Leise Töne, erträglicher Schmerz, bezwingbar für Körper und auch Herz - darfst du bringen - hab nix dagegen. Gehört offensichtlich sogar zum Leben. Jedoch dieses Böse, der Schlag, die Gewalt..... Sieh` hin, wie meine Faust sich ballt, ich mach` dich fertig, stelle dich kalt! Mag sein, noch nicht heut` - gewiss aber bald. GuGu NACHGEDACHT Ich denke - also bin ich. Wenn ich aufhöre zu denken - werd` ich nicht mehr sein. Manchmal frag ich mich, warum ich bin; ob ich nicht viel lieber, nicht sein möchte. Habe niemals gesagt: "Ich will sein!" Muss mich davor hüten, laut zu sagen: "Ich will nicht sein!" - weil ich damit denen, die sich niemals fragen, warum sie sind, einen Sinn für ihr Sein gebe. Bedeutet das Leben? Bedeutet das Dasein? GuGu
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